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Donnerstag, 5. Dezember 2013

Vampyr (1932, English subtitles)


Sybille Schmitz

Vampyr – Der Traum des Allan Grey ist ein Horrorfilm des dänischen Filmregisseurs Carl Theodor Dreyer, der von April bis Oktober 1930 produziert und am 6. Mai 1932 in Deutschland erstmals aufgeführt wurde. Er basiert lose auf der Novelle Carmilla des irischen Autors Joseph Sheridan Le Fanu.

Handlung:

Allan Grey, der eine geheimnisvolle Ähnlichkeit zu H.P. Lovecraft hat, kehrt in der Nähe der französischen Ortschaft Courtempierre in ein Gasthaus ein. Er erfährt, dass hier unheimliche Ereignisse stattfinden...

Stab:

Regie Carl Theodor Dreyer
Drehbuch Christen Jul
Carl Theodor Dreyer
Produktion Carl Theodor Dreyer
Julian West (Pseudonym von Nicolas de Gunzburg)
Musik Wolfgang Zeller
Kamera Rudolph Maté
Schnitt Paul Falkenberg

Besetzung:

 Julian West: Allan Grey
 Maurice Schutz: Schlossherr
 Rena Mandel: Gisèle
 Sybille Schmitz: Léone
 Albert Bras: Diener

Obwohl Vampyr Carl Theodor Dreyers erster Tonfilm war, enthält er zahlreiche Zwischentitel, teilweise übertrieben körperbetonte Darstellungen und relativ wenig gesprochenen Text.
Die scheinbar simple Handlung und die knappen Dialoge des Films treten jedoch gegenüber der visuellen Aussagekraft in den Hintergrund.
Durch den Einsatz spezieller Kamerafilter (teilweise aus Gaze) und einer ausgefeilten Beleuchtungstechnik (die Außenaufnahmen wurden bei Morgen- bzw. Abenddämmerung gedreht) erzeugte Dreyer eine unheimliche und traumartige Atmosphäre. Die für damalige Verhältnisse bemerkenswerten und innovativen Spezialeffekte (Schatten führen ein reges Eigenleben, Allen sieht sich selbst im Sarg liegen, Szenen laufen rückwärts ab) tragen einen weiteren, wesentlichen Teil zur unheimlichen und surrealen Wirkung des Films bei.
Das Grauen, das Dreyer mit Vampyr erzeugen wollte, beschrieb er einmal mit folgenden Worten: „Stell dir vor, wir sitzen in einem gewöhnlichen Zimmer. Plötzlich erfahren wir, dass sich eine Leiche hinter der Tür befindet. Mit einem Mal hat sich das Zimmer, in dem wir sitzen, völlig verändert: Alles in ihm hat eine neue Bedeutung. Das Licht, die Atmosphäre haben sich verändert, obwohl sie rein physisch dieselben sind. Der Grund ist, dass wir uns verändert haben.“
Bei der Besetzung verzichtete Dreyer größtenteils auf professionelle Schauspieler und griff hauptsächlich auf Laien zurück. Da der Film auf Deutsch gedreht wurde, viele der Akteure diese Sprache jedoch nicht beherrschten, lernten sie ihre Texte phonetisch. Mit dem Geld des adligen Filmenthusiasten Nicolas de Gunzburg wurde Vampyr produziert und dieser trat unter dem Pseudonym Julian West auch in der Hauptrolle auf.
Heute gilt Vampyr als ein früher Klassiker des Horrorgenres und ein Meilenstein der Filmtechnik.

Vampyr war der erste Tonfilm mit Sybille Schmitz in der Hauptrolle. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges fand Sybille Schmitz nur noch selten eine Beschäftigung und geriet so zunehmend in den Bann von Schwermut und Sucht. Nach mehreren Klinik-Aufenthalten und misslungenen Suizid-Versuchen tötete sich die Schauspielerin 1955 mit einer Überdosis Schlaftabletten.

http://dfiles.eu/files/6m424l580

Samstag, 19. Oktober 2013

Die verkaufte Braut (1932, English subtitles)


Die verkaufte Braut ist eine von Max Ophüls 1932 gedrehte Verfilmung der Komischen Oper Die verkaufte Braut von Bedřich Smetana. Diese Produktion war die erste Filmoper.

Handlung:

1859 auf einem Kirchweihfest in Böhmen. Der Heiratsvermittler Kezal will die Bürgermeisterstochter Marie an Wenzel, den Sohn des reichen Micha verkuppeln. Marie verliebt sich aber in den Postkutscher Hans und versteckt sich mit ihm im Trubel des Kirchweihfestes.
Unterdessen ist der Wanderzirkus Brummer eingetroffen, und Wenzel hat ein Auge auf die Artistin Esmeralda geworfen, Zirkusdirektor Brummers Pflegetochter. Die Eltern von Marie und Wenzel sind mit dieser Entwicklung unzufrieden. So wird Marie in ihr Zimmer eingesperrt, und der Zirkus erhält vom Bürgermeister keine Erlaubnis zur Vorstellung.
Kezal bietet Hans 300 Gulden, wenn er auf Marie verzichtet, und als er das Geld annimmt, spricht sich herum, er habe seine Braut verkauft...

Altersfreigabe FSK 6

Stab:

Regie Max Ophüls
Drehbuch Curt Alexander, Max Ophüls
Libretto Karel Sabina
Produktion Reichsliga-Film (Produktionsleiter: Karl Ritter)
Musik Theo Mackeben, Bedřich Smetana (Oper)
Kamera Reimar Kuntze, Franz Koch
Schnitt Paul May

Besetzung:

 Willi Domgraf-Fassbaender: Hans
 Jarmila Novotna: Marie
 Otto Wernicke: Heiratsvermittler Kezal
 Hermann Kner: Micha
 Maria Janowska: Agnes, Michas Frau
 Paul Kemp: Wenzel
 Karl Valentin: Rudolph Brummer
 Liesl Karlstadt: Katinka Brummer
 Annemarie Sörensen: Esmeralda Brummer
 Max Nadler: Bürgermeister
 Max Schreck: Muff
 Therese Giehse: Werberin beim Fotografen
 Beppo Brem: ein Bauernbursche
 Kurt Horwitz: Sänger
 Dominik Löscher

Gedreht wurde vom 16. Mai 1932 bis in den Juni 1932 in der Umgebung von München und in den Emelka–Studios in München-Geiselgasteig. Um eine möglichst wirklichkeitsnahe Kirchweihatmosphäre zu schaffen, wurden echte Jahrmarktsleute engagiert, die mit ihren Familien nach Geiselgasteig kamen. Karl Valentin ist, unterstützt von Liesl Karlstadt, in seinem ersten Tonfilm zu erleben, und Beppo Brem hatte in einer stummen Rolle seinen ersten Filmauftritt überhaupt.
Mit der Reklame „Erster Operntonfilm – Welturaufführung“ wurde der Film am 18. August 1932 in München und am 2. September 1932 in Berlin gestartet. Das Publikum nahm den Film mit großem Beifall auf. Das temporeiche, mit vielen Freilandaufnahmen durchsetzte und stark musikalisch geprägte Werk bedeutete für den bis dahin kaum bekannten Max Ophüls den Durchbruch als Regisseur.

Leider ist die Bildqualität dieser Version sehr grob.

http://dfiles.eu/files/8v553aig5

Donnerstag, 11. Juli 2013

Anna und Elisabeth (1933, English subtitles)


Anna und Elisabeth ist ein fast mystizistischer Spielfilm mit Dorothea Wieck und Hertha Thiele.

Handlung:

Die schwer erkrankte Gutsherrin Elisabeth von Salis lebt mit ihrer Schwester Margarete zurückgezogen von der Öffentlichkeit. Als sie von den angeblichen Heilkräften des Bauernmädchens Anna hört, dessen totgeglaubter Bruder nach ihrem Gebet wieder zu sich kam, holt sie die junge Frau zu sich.

Obwohl Anna beteuert, keine Wunder vollbringen zu können, steigert sich Elisabeth immer mehr in einen religiösen Wahn...

Regie:    Frank Wysbar
Drehbuch:    Gina Fink, Frank Wysbar
Kamera:    Franz Weihmayr
Schnitt:    Alice Ludwig
Musik:    Paul Dessau
Produzent:    Frank Wysbar, Hermann Ephraim
    
Darsteller:  

Dorothea Wieck    Elisabeth, Gutsherrin von Salis
Maria Wanck    Margarete, ihre Schwester
Hertha Thiele    Anna, Bauernmädchen
Dorothea Thiess    Ihre Mutter
Carl Wery    Ihr Vater
Mathias Wieman    Mathias Testa, Organist, der kranke Herr aus der Stadt
Carl Balhaus    Martin
Wilhelm Kaiser-Heyl    Pfarrer
Roma Bahn    Mary Lane
Margarete Kestra    Helena

Ein filmhistorisches Kleinod das damals und heute nicht die verdiente Anerkennung bekam.

http://dfiles.eu/files/5o69epn6k

Freitag, 28. Juni 2013

Abwege (1928, English subtitles)


Abwege ist ein deutsches Filmdrama aus dem Jahr 1928.

Handlung:

Irene Beck glaubt die Zuneigung des Malers Walter Frank entdeckt zu haben, als dieser ihr Profil während eines Besuches auf einer Servierte skizzierte. Mit vielversprechenden Blicken lädt dieser sie zu einem Gegenbesuch ein. Doch ihr Ehemann Thomas Beck hält nichts von dieser Gesellschaft und schränkt sie in ihrer Bewegungsfreiheit ein. Doch die beiden treffen sich heimlich und verabreden eine Flucht nach Wien, die vom Ehemann in letzter Minute vereitelt wird. Frustriert stürzt Irene sich in das pulsierende Nachtleben Berlins mit Alkohol- und Drogenexzessen...

Altersfreigabe     FSK 16

Stab:

Regie     Georg Wilhelm Pabst
 Drehbuch     Franz Schulz (Idee), Adolf Lantz, Ladislaus Vajda, Helen Gosewish
Produktion     Fred Lyssa
Musik     Werner Schmidt-Boelcke, Elena Kats-Chernin (1999)
Kamera     Theodor Sparkuhl
Schnitt     Georg Wilhelm Pabst, Marc Sorkin

Besetzung:

    Gustav Diessl: Thomas Beck
    Brigitte Helm: Irene Beck
    Hertha von Walther: Liane
    Jack Trevor: Walter Frank
    Fritz Odemar: Möller
    Nico Turoff: Sam Taylor
    Ilse Bachmann: Anita Haldern
    Richard Sora: André
    Peter C. Leska: Robert
    Irm Cherry: Daisy
    Irma Green: Gina
    Tita Christescu: Die Zofe
    Jimmy Lygelt: 2. Boxer

Der Film galt lange Zeit als verschollen, liegt jetzt wieder in einer vollständig restaurierten Fassung vor.  Die restaurierte Fassung wurde am 10. Juni 1999 ausgestrahlt.

http://dfiles.eu/files/a1qutk92p

Montag, 10. Juni 2013

Jud Süss (1940, english subtitles)


Jud Süss ist ein historischer Film, den im BRD außerhalb von rituellen Rahmenbedingungen niemand sehen darf.

Handlung:

Joseph Süß Oppenheimer, ein jüdischer Finanzbeamter, erlangt durch Zuwendungen die Gunst des Herzogs und überredet diesen zu immer weiterer Untreue gegenüber seinem Volk zu Gunsten seines eigenen luxuriösen Hofstaates...

Stab:

Regie     Veit Harlan
Drehbuch     Veit Harlan und Eberhard Wolfgang Möller nach Ludwig Metzger
Produktion     Otto Lehmann
Musik     Wolfgang Zeller
Kamera     Bruno Mondi
Schnitt     Friedrich Karl von Puttkamer, Wolfgang Schleif

Besetzung:

    Ferdinand Marian: Joseph Süß Oppenheimer
    Werner Krauß: Sekretär Levy, Rabbi Loew, Schächter Isaak, Alter am Fenster
    Heinrich George: Karl Alexander, Herzog von Württemberg
    Kristina Söderbaum: Dorothea, Sturms Tochter
    Eugen Klöpfer: Landschaftskonsulent Sturm
    Hilde von Stolz: Herzogin von Württemberg
    Malte Jaeger: Aktuar Karl Faber
    Albert Florath: Obrist Röder
    Theodor Loos: von Remchingen
    Walter Werner: Herr Fiebelkorn
    Jakob Tiedtke: Konsistorialrat
    Erna Morena: Frau des Konsistorialrats
    Else Elster: Luziana
    Willy Kaiser-Heyl: Sitzungsteilnehmer
    Wilhelm Egger-Sell: Sitzungsteilnehmer
    Eduard Wenck: Hausbesitzer
    Käte Jöken-König: Frau Bogner
    Emil Heß: Schmied Hans Bogner
    Ursula Deinert: Primaballerina
    Erich Dunskus: Meister der Schmiedezunft
    Heinrich Schroth: Herr von Neuffer
    Bernhard Goetzke: Statist
    Horst Lommer: Offizier
    Wolfgang Staudte: Freund Fabers
    Valy Arnheim: Statist
    Franz Arzdorf: Offizier der Leibwache
    Reinhold Bernt: Folterknecht
    Lewis Brody: schwarzer Diener des Herzogs
    Franz Klebusch: Statist
    Paul Mederow: Richter Ratner
    Hans Meyer-Hanno: Stadtbeamter
    Hellmuth Passarge: Soldat beim Prozess
    Josef Peterhans: Kontrollierender Offizier
    Arthur Reinhardt: Statist
    Ernst Stimmel: Statist
    Walter Tarrach: Folterknecht
    Otz Tollen: Statist
    Hans Waschatko: Mann der Landstände

Die Alliierten hatten den Film auf ihre Verbotsliste gesetzt. In der BRD wird die öffentliche Aufführung von Jud Süß vom selbsternannten "Rechteinhaber", der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, nur mit einem begleitenden Kommentar sowie unter Auflagen gestattet und der Vertrieb des Films untersagt (Vorbehaltsfilm). In Österreich und der Schweiz hingegen ist der Film frei verfügbar. In der DDR wurde den Film im Fernsehen gezeigt.

Regisseur Veit Harlan stand nach dem Krieg mehrfach vor Gericht. Er wurde unter anderem wegen „Beihilfe zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ angeklagt. Ein strafrechtlich relevantes Fehlverhalten konnte Harlan jedoch nicht nachgewiesen werden, so daß er freigesprochen wurde. Kritiker des Regisseurs versuchten danach, eine öffentlichkeitswirksame Tätigkeit Harlans in der Bundesrepublik Deutschland durch Boykottaufrufe zu verhindern.

http://dfiles.eu/files/sptbwatgb

Dienstag, 26. März 2013

Menschen am Sonntag (1930, english subtitles)


Menschen am Sonntag ist ein Film von Robert Siodmak, Edgar G. Ulmer und Billy Wilder. Er wurde von Moriz Seelers Produktionsfirma „Filmstudio 1929“ produziert und entstand in den Jahren 1929 und 1930 in Berlin und Umgebung. Die Uraufführung war am 4. Februar 1930. Er zählt zu den späten Vertretern der Neuen Sachlichkeit im Film.

Stab:

Regie     Robert Siodmak, Edgar G. Ulmer
Drehbuch     Billie Wilder, Robert Siodmak (ungenannt)
Produktion     Seymour Nebenzahl
Musik     Otto Stenzeel
Kamera     Eugen Schüfftan, Fred Zinnemann
Schnitt     Robert Siodmak

Besetzung:

    Erwin Splettstößer: Taxifahrer Erwin
    Brigitte Borchert: Plattenverkäuferin Brigitte
    Wolfgang von Waltershausen: Weinverkäufer Wolfgang
    Christl Ehlers: Komparsin Christl
    Annie Schreyer: Mannequin (Model) Annie
    Valeska Gert: Valeska
    Kurt Gerron: Kurt

"Menschen am Sonntag", das war cinéma pauvre im radikalen Sinn des Wortes. Damals, 1929, mussten die Dreharbeiten immer wieder unterbrochen werden, weil das Geld fehlte. Das Filmmaterial war Ausschussware: Kameramann Eugen Schüfftan benutzte überlagerte Agfa-Filme, das die Ufa-Studios nicht mehr anrühren wollten. Alles schien auf ein Desaster hinauszulaufen. Die Schauspieler: Laiendarsteller. Der Regisseur: ein Neuling. Robert Siodmak hatte bislang nur am Set volontiert. Und sein Bruder Curt Siodmak sowie Billy Wilder, die beiden Verantwortlichen für Stoff und Idee, waren eher erfolgreiche Reporter denn gewiefte Drehbuchautoren.

Ständig gab es Streit.

Edgar Ulmer, zunächst Co-Regisseur, gab schon bald auf, und auch der Kameraassistent Fred Zinnemann setzte sich früh ab. Beide machten in Hollywood eine große Karriere. Viel harmonischer ging es auch nach ihrem Weggang nicht zu. Die heute 90-jährige Hauptdarstellerin Brigitte Borchert-Busch berichtet, dass sich vor allem Billy Wilder und Robert Siodmak fast täglich vor Beginn der Dreharbeiten lautstark in die Haare gerieten. Dass der Film dann doch mit großer Konsequenz fertig gestellt und zu einem triumphalen Erfolg wurde, ist den hochgesteckten Ambitionen der Hauptbeteiligten zu verdanken. Moriz Seeler, der Theatermann, der hier als Produzent agierte, war an einer neuen veristischen Spielweise interessiert. Er suchte die Schauspieler sorgfältig aus und verfolgte aufmerksam die Dreharbeiten. Robert Siodmak war seinerseits vom Ehrgeiz besessen, ein berühmter Filmregisseur zu werden. Eugen Schüfftan schließlich versöhnte alle Gegensätze und sah in dieser "Außenseiterproduktion" die Chance, sein Image als Techniker abzustreifen, um sich endlich als bildgestaltender Kameramann zu etablieren.

Diese konfliktgeladene Produktionsgeschichte hat dem Film nicht geschadet, denn sie führte dazu, dass es keine individuelle Handschrift und damit auch keinen alles ordnenden Blick gibt. "Menschen am Sonntag" ist ein offener, kollektiver Text, der viele Interessen und Perspektiven zu erkennen gibt. Das macht den Reichtum und die Lebendigkeit des Films aus. Denn trotz der Heterogenität der Interessen und der Orientierungen unterwarfen sich alle Beteiligten einem Konzept der Unmittelbarkeit, dem Credo der Neuen Sachlichkeit.

Die Inszenierung erhebt den Anspruch, ein Dokument zu sein. Die "Darsteller" spielen sich selbst, sie sind Schallplattenverkäuferin, Mannequin, Filmkomparsin, Weinreisender und Taxichauffeur offenbaren ihre Alltagsgesten und Alltagsrituale. Deshalb ist es nur logisch, dass auch die Produktion selbst episodisch und improvisierend sein musste, zerrissen und brüchig wie das Leben. Man wollte schlicht registrieren und den flüchtigen Moment einfangen, ohne das Festgehaltene in Kinokonventionen, in vorgefertigten Bildern und Erzählungen erstarren zu lassen. Immer wieder zitiert der Film die Gegenbilder, auf deren Zerstörung er aus ist: die heroisch-vaterländischen Standbilder der Siegesallee im Tiergarten, die Postkarten der Filmstars, die Ablichtungen von Verliebten in den Auslagen der Fotoateliers. Demgegenüber enthüllt der Film die Mikrodramatik des Alltags. Ein tropfender Wasserhahn, die quietschende Schranktür entzweien das Paar, ein Streit, wie die Hutkrempe zu sitzen habe, ruiniert den Samstagabend. Statt ins Kino zu gehen, bleibt man zu Hause. Der Freund kommt zum männerbündlerischen, bierseligen Skat, die Frau ist die Ausgeschlossene, in ihrer Depression Alleingelassene. Am nächsten Tag, draußen am Wannsee, verlagert sich das erotische Interesse blitzschnell von der Zufallsbekanntschaft zu deren bester Freundin.

Auf die unwiederholbaren Schattierungen des Augenblicks, auf die flüchtigen sonst nie beachteten Lichtreflexe sind auch die Bildstrategien Eugen Schüfftans abgestellt. Aber seine ausgeklügelten Bildkonstruktionen liefern den Nachweis, dass gerade das neusachliche Konzept der Unmittelbarkeit reinste Artistik ist und der extremen Formung bedarf. Das Sonnenlicht nutzt Schüfftan wie ein Spotlicht, lässt die Gesichter im Bildmittelpunkt erstrahlen und umgibt sie mit einem Schattensaum. Die Errungenschaften des Neuen Sehens nutzt Schafften aus, übersetzt die Vorgaben der zeitgenössischen Fotografie, die Bildfindungen von Renger-Patzsch und Moholy-Nagy in den Film, experimentiert wie Umbo oder Helmar Lerski mit Porträtaufnahmen, wählt extreme Perspektiven, verfremdet durch Lichteinspiegelungen, provoziert durch flächige Bildwirkungen.

Zugleich resümiert der Film die literarischen Berlin-Bilder der zwanziger Jahre. "Menschen am Sonntag" wurde nicht zufällig im Romanischen Café entworfen und diskutiert. Von dieser Ideenbörse, von diesem Treffpunkt aller maßgeblichen Literaten, von diesem Umschlagplatz der Texte profitiert der Film ganz eindeutig. Curt Siodmak und Billy Wilder waren ja selbst umtriebige Berlinreporter. Dieses Terrain kannten sie genau. Sie wussten, wie man das Stadtfeuilleton der großen Zeitungen erfolgreich bedient, das sich in den zwanziger Jahren zu einem hochdifferenzierten Wahrnehmungs- und Reflexionsraum entwickelt hatte, zu einem Medium, das der großen Stadt beständig den Spiegel vorhielt. Vor allem Billy Wilder hat sich seit 1926, nach seiner Ankunft in Berlin, rasch von den Meistern dieses Mediums, von Joseph Roth, Walter Benjamin, Siegfried Kracauer, Erich Kästner inspirieren lassen und dabei ein erstaunliches Raffinement entwickelt, wenn er die Oberfläche des Alltags entzifferte, das Absonderliche aufzuspürrte, Stimmungen und Sinnlichkeiten nuanciert erfasste.

Auf diese im Feuilleton erprobte offene Wahrnehmung greift "Menschen am Sonntag" zurück. Auch der Film entfernt sich von der traditionellen Stadtkritik, vom distanzierten Blick auf "das steinerne Berlin" und seine "Asphaltkultur". Bei aller nüchternen Registratur stimmt der Film doch ein Loblied an auf Berlin, auf die städtische Zivilisation, zeigt und genießt die Vitalität der Großstadt, das erotische Moment des raschen Wechsels, der flüchtigen Begegnung. Die Kamera schwingt sich ein in die große Bewegung der Stadt. Nähe und Teilhabe bestimmen die Inszenierung, die Macher, die "Filmenthusiasten", wie sie von der Kritik bezeichnet werden, fühlen sich eins mit ihren Protagonisten. Die erst jetzt gefundenen und in die restaurierte Fassung aufgenommenen Sequenzen verstärken noch die Identität von Figuren und Raum, von Detailbeobachtung und Totale.

Die vier jungen Angestellten, auf die sich die Kamera konzentriert, werden von den Bewegungsrhythmen der Stadt getragen. Sie folgen den Bewegungslinien und Bewegungsimpulsen. Das Gewirr der Verkehrsströme, die sich überkreuzenden Schnellbahnen provozieren zu Beginn geradezu die Begegnung von Mann und Frau. Auf dem Trittbrett eines Lastwagens lässt sich der Taxichauffeur am Samstagabend aus dem Betriebshof hinaustragen. Als er den Gehsteig erreicht, springt er ab, nimmt den Schwung mit und fädelt sich ein in den Strom der Passanten.

Ebenso inszeniert die Montage die Stadt als unendliche Bewegung. Aber anders als in Walter Ruttmanns Berlin - in "Die Symphonie der Großstadt" (1927), zwingt "Menschen am Sonntag" die Bewegung nicht in abstrakte Muster, deutet die Stadt nicht als gigantische Maschine. Vielmehr kontrastiert er die Bewegungsströme mit den individuellen Körpern, die uns eine phantastisch bewegliche Kamera mit nie erlahmender Neugier zeigt. Das Körperhaft-Physische gewinnt hier eine Drastik, wie sie im Weimarer Kino selten ist. Bislang unbekannt war jene Sequenz, die ein krudes Ritual junger Männer zeigt: "Schinkenklopfen" im sonntäglichen Park, Schläge auf den prallen Hintern, Spiele der Gewalt und der Lust. Die Dreiecksgeschichte und die Liebesspiele draußen am Wannsee nehmen sich vor diesem Hintergrund gänzlich anders aus.

Der Film verschweigt also keineswegs die Ambivalenzen der zivilisatorischen Moderne. Das rasch ausgelebte Begehren erzeugt Schmerz und Verletzungen, Melancholie und Gebrochenheit. Die überquellende Vitalität - das ist nur die eine Seite der großen Stadt. Die geheimen Zeichen des Todes entgehen der Kamera nicht: die lange Reihe der Grabkreuze, die ein Steinmetz zum Verkauf anbietet, oder der Trupp von Reichswehrsoldaten, der die Schlachtenreliefs am Sockel der Siegessäule bestaunt. Es ist, als blickten sie auf den eigenen Untergang.


http://dfiles.eu/files/7yea2d2es

Montag, 24. Dezember 2012

Kampf um Norwegen - Feldzug 1940 (1940, english subtitles)


Kampf um Norwegen – Feldzug 1940 ist ein 1940 durch das Oberkommando der Wehrmacht in Auftrag gegebener, durch die UFA produzierter und von Martin Rikli erstellter deutscher Propagandafilm. Die Filmrollen wurden auf Nitratbasis hergestellt. Die Spezialeffekte durch Atelier Hans Neuberger und UFA-Trickatelier gewährleistet. Erstaunlich aktuell wirken dabei vor allem die Animationen, die während des gesamten Films den Vormarsch der deutschen Truppen zeigen. Wären die Bilder nicht schwarz-weiß, so könnte man durchaus meinen, man navigierte mit Google Earth durch eine aktuelle Darstellung des Geländes.

Stab:

Regie     Martin Rikli
Drehbuch     Martin Rikli und Werner Buhre
Produktion     Universum Film
Musik     Franz R. Friedl
Kamera     Karl Kurzmayer, Werner Bohne
Schnitt     Martin Rikli

Der Film galt lange Zeit als verschollen. Er wurde erst im Jahr 2000 von dem norwegischen Filmhistoriker Jostein Saakvitne zufällig im Angebot eines Militaria-Online-Auktionshauses gefunden. Hierbei handelte es sich um fünf Filmrollen mit einem Gesamtgewicht von 20 Kilogramm. Der Film wechselte anonym für weniger als 1000 Euro den Besitzer.

Am 20. September 2006 wurde der Film erstmals durch das Filminstitut Oslo uraufgeführt. In Deutschland kam der Film nie zur Aufführung.

http://depositfiles.com/files/4kvf8befz

Freitag, 6. Juli 2012

Mädchen in Uniform (1931)


Die vierzehnjährige Manuela von Meinhardis, Tochter eines Offiziers, wird nach dem Tod der Mutter auf ein Stift für verarmte höhere Töchter nach Potsdam geschickt. Obwohl der Film zu Beginn der 1930er Jahre spielt, ist der Erziehungsstil des Internats nach wie vor von preußischem Drill und dem Fehlen menschlicher Nähe geprägt. Die Soldatentöchter sollen dort zu Soldatenmüttern erzogen werden. Die Oberin der Schule geht, wie Friedrich der Große, am Stock und erlässt Tagesbefehle wie in den glorreichen Zeiten des Siebenjährigen Krieges. Die Auswirkungen dieses Preußentums auf das zärtlich und fantasievoll veranlagte, sensible junge Mädchen sind verheerend, sie hat Schwierigkeiten, sich den Verhältnissen anzupassen, und fällt in ihren Schulleistungen ab. Wärme und Verständnis geht allein von der jungen Lehrerin Fräulein von Bernburg aus, in die Manuela sich glühend verliebt. Als Fräulein von Bernburg ihr als Ersatz für ihre zerschlissenen Sachen eines ihrer eigenen Unterhemden schenkt, ist Manuela berauscht. Die Katastrophe bahnt sich an, als Manuela nach einer erfolgreichen Schultheateraufführung – glücklich über ihren Bühnenerfolg und von heimlich gepanschter Bowle ein bisschen beschwipst – öffentlich erklärt, wie lieb sie die Lehrerin hat. Die Folgen sind schrecklich...

Besatzung:
  • Hertha Thiele: Manuela von Meinhardis
  • Dorothea Wieck: Fräulein von Bernburg
  • Gertrud de Lalsky: Exzellenz von Ehrenhardt, Manuelas Tante
  • Emilia Unda: Oberin
  • Marte Hein: Anstaltsprotektorin
  • Hedwig Schlichter: Fräulein von Kesten
  • Lene Berdolt: Fräulein von Garschner
  • Lisi Scheerbach: Mademoiselle Oeuillet
  • Margory Bodker: Miss Evans
  • Erika Mann: Fräulein von Attems
  • Ellen Schwanneke: Ilse von Westhagen
  • Ilse Winter: Marga von Rasso
  • Charlotte Witthauer: Ilse von Treischke
  • Erika Biebrach: Lilli von Kattner
  • Else Ehser: Garderobiere Elise
  • Ethel Reschke: Oda von Oldersleben

Mit englischen Untertiteln. Leider stark eingekürzt, die Prüffassung war 98 Minuten lang, bei der Uraufführung 1931 dauerte der Film noch 91 Minuten, die FSK-Prüfung 1949 schnittete ihn zu 88 Minuten und diese Version dauert nur 83 Minuten.

http://depositfiles.com/files/798gamybz

Freitag, 13. April 2012

Gold (1934)


Gold ist ein Science-Fiction-Film von Karl Hartl über die künstliche Herstellung von Gold. In den Hauptrollen spielen Hans Albers und Brigitte Helm.

Filme wie dieser, in dem Brigitte Helm ein weiteres Mal auf den Part der femme fatale festgelegt worden war, ließen in ihr im darauf folgenden Jahr den Entschluss reifen, sich von der Schauspielerei zurückzuziehen.

Die alliierten Militärbehörden hatten 1945 die Aufführung des Films mit Verbot belegt.

Mit englischen Untertiteln.

http://uploading.com/files/eb4488ce/Hans%2BAlbers_%2BGold%2B%2528with%2BEnglish%2Bsubtitles%2529.mp4/